Eine kurze Geschichte von Wahrenholz
 
Die erste urkundliche Erwähnung von Wahrenholz datiert aus dem Jahre 1013 („Wyrinholt“). Doch kann davon ausgegangen werden, dass der Ort schon im 10. Jahrhundert existierte. Im Zeitraum von 994 bis 997 erbaute Bischof Bernward von Hildesheim eine Pfahlburg an der Ise in Wahrenholz („Wirinholt“). Sie war wohl Teil einer Reihe von Grenzverteidigungsanlagen gegen die Slawen, die nach dem Aufstand von 983 die Gegend vermehrt unsicher machten. In einer Urkunde Heinrichs II. von 1013 wurde ihm der Besitz von Burg und Burgward „Wyrinholt“ bestätigt.
Bischof Bernward ließ innerhalb der Burganlage ein Gebetshaus des Hl. Lambert errichten. Gut 200 Jahre später trennte Bischof Konrad von Hildesheim (1221-1246) das inzwischen entstandene Kirchspiel Wahrenholz von der Archidiakonatskirche Hankensbüttel. Wahrscheinlich ließ er den unteren, gotischen Teil des Kirchturms erbauen, an den später ein steinernes Kirchenschiff angebaut wurde. Die Kirche wurde nach dem Hl. Nikolaus, Bischof von Myra, und der Hl. Katharina, einer Märtyrerin Anfang des 14. Jahrhunderts, St. Nicolai- und Catharinen-Kirche benannt.
Das Dorf entwickelte sich um den für die Burg zuständigen Wirtschaftshof herum, westlich der Ise, am Weg von Hildesheim in die Altmark. Ob nun die Ansiedlung zuerst da war oder die Burg, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Der Ort entwickelte sich schnell, bedingt wohl auch durch die Nähe der Festung und bald auch der Kirche: bereits im Jahre 1489 gab es in „Warnholte“ 16 abgabepflichtige Feuerstellen, 13 Vollhöfe und 3 Kothöfe.
Eine eigene kleine Vogtei, die seit 1665/66 nachweislich auch Betzhorn und Westerholz umfasste, hatte spätestens seit dem 16. Jahrhundert ihren Sitz in Wahrenholz; wahrscheinlich war sie aber älter oder hatte ältere Vorläufer, denn schon zwischen 1013 und 1023 ist von einer Vogtei die Rede, die zum Castell Wyrinholt gehört.
1425 findet sich die erste Erwähnung der Mühle, die allerdings wohl um einiges älter ist. Für die jeweiligen Grundherren war sie von großer wirtschaftlicher Bedeutung, nahmen sie doch den so genannten Mühlenzins ein. Die zu führenden "Mahl"- Bücher gaben außerdem Auskunft darüber, wie viel geerntet worden war (Grundlage für die Abgabenberechnung) und woher das Mahlgut kam (Brücken- und Wegezoll).
1528 wird die Reformation in Wahrenholz eingeführt. Der Legende nach soll sich der letzte Mönch, der hier eine Messe las, in einem kalten, schneereichen Winter auf dem Heimweg nach Hankensbüttel verirrt haben und erfroren sein. Im großen Leu erinnert das "Mönchskreuz" an ihn. Daraufhin wurde Wilcken Gardner als erster lutherischer Pastor nach Wahrenholz berufen.
Um 1600 wütet die Pest im Ort: mehr als die Hälfte der Einwohner stirbt. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis1648) wird die Kirche ausgeraubt und verwüstet. 1661 brennt das Pfarrhaus ab, dadurch gehen die Kirchenbücher verloren. Kirchliche Eintragungen sind erst ab dem Jahr 1687 zu finden.
Die wichtigste Einnahmequelle der Bevölkerung war über viele Jahrhunderte die Landwirtschaft. Vor allem Getreideanbau, Zuckerrüben- und Kartoffelerzeugung sowie Milchviehhaltung spielten eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben von Wahrenholz. Heute gibt es nur noch wenige Vollerwerbshöfe im Ort; viele Wahrenholzer arbeiten in Industriebetrieben im Umland und betreiben ihre Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb.
Die Region um Wahrenholz war stark bewaldet, so dass sich im Laufe der Zeit zahlreiche Betriebe der Holzverarbeitung ansiedelten: Sägewerk, Zimmerei, Tischlerei. Auch heute noch sind zahlreiche Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges in Wahrenholz ansässig.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann man ganz gezielt, nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben, um die Verwüstungen des Krieges zu beheben. Förster waren nun nicht mehr nur Jäger sondern auch und vor allem Holzschützer. Ursprünglich wurden sie aus den Strafgeldern für Holzfrevel bezahlt. Erst nach dem Siebenjährigen Krieg (1769) bildet sich eine feste staatliche Besoldung sowie eine Rangordnung innerhalb der sich entwickelnden Forstverwaltung heraus. Wahrenholz bekam eine Oberförsterei, die zuständig für die Forsten des Amtes Gifhorn und späteren Amtes Isenhagen war und dem Oberforstamt Celle unterstand. Mehrere Umstrukturierungen in der Forstverwaltung führten im Laufe der Zeit zum Verlust der Eigenständigkeit. Seit 1997 ist die Revierförsterei Wahrenholz dem Forstamt Fallersleben unterstellt.
Neben dem Holzdiebstahl sollten die Förster auch Wilddiebereien verhindern. Eine weitere Aufgabe kam ab 1661 dazu, nämlich die Organisation der Flößerei, die in Wahrenholz oberhalb der Mühle ihren Anfang nahm und Holz bis Bremen beförderte, erst 1930 wurde diese Art des Transports vollständig aufgegeben.
Im 19. Jahrhundert wird Wahrenholz von zwei großen Bränden schwer getroffen. 1826 vernichtet ein Brand zwölf Bauernhöfe; 1857 sind es gar 23 Hofstellen, die zerstört werden.
Durch den Bau der Eisenbahnlinie Braunschweig-Uelzen wurde Wahrenholz an das Netz der Königlich Preußischen Eisenbahn angeschlossen. Am 1. Dezember 1900 wurde die Strecke und damit auch der Bahnhof Wahrenholz feierlich eröffnet. Von 1943/44 bis 1963 diente er auch als Ölverladestation. Heute ist er immer noch in Betrieb und dient der Personenbeförderung auf der Strecke Uelzen-Braunschweig.
Der „Heilige Hain“ in Betzhorn, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands, mit Heideflächen, urwüchsigen gemischten Beständen und vor allem Wacholdergruppen ist ein touristischer Anziehungspunkt. Schon im Jahre 1913 wurde für seinen Kernbereich verfügt, dass das Kulturartenverhältnis nicht mehr verändert werden durfte. Unter Naturschutz im heutigen Sinne steht das zwischenzeitlich von 5,75 auf 40,30 ha vergrößerte Gebiet aber erst seit 1969.